Unsere Gruppe

Auf dieser Seite werden wir Mitglieder unserer Gruppe vorstellen,
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INTERVIEW mit Monika Mai 2014

Monika ist 60 Jahre alt,  verheiratet und arbeitet als Büroangestellte

Wie bist Du zum Buddhismus gekommen?

Meine leidvollen Emotionen haben mich zum Buddhismus gebracht. Die leidvollen emotionalen Verstrickungen, die mich überschwemmten und ich  nicht wusste, wie ich da wieder heraus kommen sollte. Da habe ich 2001 einen Kurs belegt im Sobi in Münster und Lehrer war Lama Öser. Das Thema war: Emotionen aus der Sicht des Buddhismus. Durch dieses Seminar habe ich zur Meditation gefunden. Danach bin ich regelmäßig in eine Gruppe zur Meditation gegangen in Münster.

 Was spricht Dich an der Lehre Buddhas (oder der Wissenschaft des Geistes) an?

Das intellektuelle Wissen über den Buddhismus steht für mich nicht im Vordergrund, damit kann ich nicht so gut umgehen. Für mich ist die Praxis, die Meditation sehr wichtig. Achtsamkeit, heilsam zu handeln. Für mich ist es ein Wunder, dass die Lehre, die schon so alt ist, über 2500 Jahre,  immer noch aktuell ist. Dass ein Mensch (Buddha) gesagt hat, wenn ihr Euch so verhaltet, findet ihr den Weg zur Erleuchtung. Das war für mich so ansprechend, immer, da bekomme ich richtig Gänsehaut. Was ich auch gut finde, ist, dass Buddha gesagt hat, ihr dürft mir das nicht alles glauben, sondern prüft es selbst. Vergleicht es mit Euren eigenen Erfahrungen, dann werdet ihr den Weg gehen können. Wenn ich etwas prüfen und hinterfragen kann, dann kann ich es mit meinen eigenen Erfahrungen vergleichen. Ich kann nicht nur glauben, das geht nicht für mich. Deshalb habe ich mich in der Pubertät vom Christentum entfernt und mich auch nicht weiter damit beschäftigt. Die buddhistischen Lehren kann ich im täglichen Leben anwenden und selbst etwas ändern kann, mich ändern.

Was gefällt Dir an der Dharmagruppe?

Die Dharmagruppe ist für mich Stütze auf dem Weg, dem Erleuchtungsweg. Hier finde ich Menschen, die auch praktizieren, die mir Stärke geben, durch den  Zusammenhalt entwickelt sich eine Energie, die mich stützt, den Weg weiter zu gehen. Die Offenheit in der Gruppe ist mir wichtig, dass Menschen da sein dürfen, die andere Religionen haben, die Toleranz, dass man nicht Buddhist sein muss, um hier meditieren zu können. Ich finde es gut, dass wir andere Lehrer einladen, zu kommen, die Belehrungen geben, das ist unschätzbar und kostbar für mich. Es vertieft das Verständnis, auch wenn es nicht immer alles leicht zu verstehen ist, weil man noch auf einer anderen Stufe steht. Die Erkenntnis geht ja schrittweise vor, es ist nicht so, dass man von jetzt auf gleich erwacht und der Geist klar und rein ist. Das braucht seine Zeit. Es ist immer wieder schön, die Belehrungen zu hören, auch wenn es zum selben Thema ist, und es ist immer wieder etwas anderes, was ich heraus höre und was mir weiter hilft, den Weg zu gehen. Das ist für mich ganz wichtig.

Was hat sich in Deinem Leben verändert durch den Kontakt mit den buddhistischen Lehren?

Die buddhistischen Lehren haben mein Leben verändert und es sind doch immer noch die Emotionen, die mich gefangen halten. Aber wenn ich zurück blicke auf die Zeit seit 2001 hat sich schon sehr viel verändert, auch wenn ich das nicht immer bewusst wahrnehme. Ich habe sehr viele Ängste loslassen können, Ängste, auf Menschen zuzugehen, auf Situationen zuzugehen. Das ist nach und nach passiert, ohne dass ich das so stark bewusst erlebt habe. Das hat sich mit der Zeit verändert und ich bemerke es, wenn ich in solchen Situationen stecke. Gerade letzte Woche wurde ich noch mal getestet, wo jemand mich angetickt hatte, ich wäre nicht so liebevoll wie eine Kollegin. Das hat mich so umgeworfen auch im Beisein anderer. Ich möchte aber liebevoll sein, gut handeln. Wir entwickeln Liebe und Mitgefühl durch die Meditation. Das hat mich stark beschäftigt, weil ich möchte liebevoll handeln. Ich habe dann aber gemerkt in der Situation, dass ich ein paar Schritte zurückgehen konnte und habe mir gesagt, ok, es ist so wie sie das sieht. Sie glaubt, dass es so ist, aber es ist nicht die Wirklichkeit, es ist ihre Wahrnehmung der Dinge und dass muss ich auch so stehen lassen, ich will nichts beweisen. Es hat mich schon beschäftigt und doch war ich gelassen. Früher hätte ich nicht gewusst, was ich machen soll und ich hätte mich ein ganzes Wochenende nur damit beschäftigt, wie ich es bloß mache, dass ich anders werde. Aber ich bin halt so wie ich bin und kann es nicht für andere ändern (nur um ihnen zu gefallen). Das hat mir doch gezeigt, dass ich schon ein Stück weiter auf dem Weg bin, als damals 2001. Ich weiß (und erfahre), dass über Meditation,  Achtsamkeit und heilsames Handeln der Geist zu verändern ist. Anders geht es nicht. Und dann weiß ich auch, dass der Weg (für mich) richtig ist. Für mich war es sehr wichtig, einen Lehrer zu treffen. Ich weiß nicht, ob ich den Weg wirklich gegangen wäre, wenn ich Lama Öser nicht kennen gelernt hätte. Aus Büchern kann man wohl lernen, aber es ist etwas ganz anderes. Ich habe keinerlei Ahnung vom Buddhismus gehabt, ich hatte mich dafür nie interessiert. Es war (am Anfang) so schwer für mich, es zu verstehen, eine Meditation überhaupt zu verstehen. (Der Lehrer hat mir geholfen) die Haltung anzunehmen. Wenn ich nicht dieses Vertrauen zu Lama Öser gehabt hätte, wäre ich glaube ich nicht dabei geblieben und wäre nicht so kontinuierlich zur Meditation gekommen, über Jahre. Das ist sehr wichtig für mich gewesen. Später habe ich auch andere Lehrer kennen gelernt, nachdem ich mir eine Stabilität angeeignet hatte. Eigentlich reichten mir die Belehrungen von Lama Öser. Und dann bin ich doch auch in andere Zentren gefahren für Belehrungen oder Einweihungen. Der Lehrer ist für mich schon sehr wichtig. 2002 habe ich dann Zuflucht genommen, zusammen mit meinem Mann, der damals auch den Kurs mitgemacht hat. Beide sind wir danach den Weg gegangen. Ich wusste damals noch nicht richtig, was die Zuflucht ausdrückt. Es war das tiefe Vertrauen in Lama Öser, ein tiefes Bauchgefühl, dass es richtig ist, einfach Vertrauen.

Unterstützen Dich die Meditation und die buddhistischen Lehren in Krisensituationen?Wenn ja, wie?

Wirkliche Krisen habe ich nicht. Es ist eher mein Alltags- und Berufsleben, das mich immer wieder prüft. Manchmal möchte ich das alles nicht mehr, dann möchte ich am liebsten in den Ruhestand gehen und nichts mehr hören und sehen. Und dann bin ich immer wieder zutiefst dankbar, dass es die Kollegen gibt, die mich immer wieder anticken und damit sagen, schau mal richtig hin, so bist du (die mir den Spiegel vorhalten). Dann bin ich immer richtig froh, dass ich doch noch im Berufsleben bin und Menschen um mich habe, die mir zeigen, wo ich stehe, auf liebevolle Art und Weise.

Welcher Film/welches Buch hat Dich in der letzten Zeit beeindruckt/berührt?

Pema Chödron (buddhistische Nonne) lese ich gerade. Dabei geht es auch wieder darum, mich so anzunehmen, wie ich bin. Ich lese das Buch, „Wenn alles zusammenbricht“ schon zum zweiten Mal und auch bewusster. Film: Vor kurzem habe ich den Film „My Reincarnation“ gesehen. Das hast mich sehr beeindruckt. Es geht um einen großen tibetischen Meister, dessen Sohn die Reinkarnation eines anderen großen Meisters ist und seinen Weg finden muss. Er wehrt sich erst einmal dagegen, er möchte ein ganz normales Leben führen, Familie und Kinder haben und nicht wie sein Vater, der nicht viel Zeit für seine Familie hatte. Er wollte einfach normal sein und nicht so im Vordergrund stehen. Der Film zeigt, wie er dann doch noch seinen Weg findet. Das hat mich sehr berührt, ein schöner Film.

Stell Dir vor, Du hast einen ganzen Tag Zeit, keine Termine, keine Pflichten, keine Einschränkungen. Was würdest Du tun?

Das bin ich gar nicht gewohnt, so ganz allein zu sein. Für mich es das Schönste, mit dem Fahrrad durch den Morgen zu fahren. Der schönste Moment ist der frühe Morgen, wenn alles noch so unberührt ist und mein Geist noch nicht so belegt ist. Dann nehme ich auch viel mehr wahr. Das ist für mich das Schönste, anzuhalten, alles einzuatmen und zu genießen, wie es ist, die Gerüche, die Luft, so wie sie ist, mal feucht, mal wärmer, kühler, wenn ich durch den Wald fahre, all diese Eindrücke. Die Sonne aufgehen zu sehen, Menschen zu begegnen, es sind nur einzelne, nicht die Massen wie in der Stadt. Das wäre für mich das Schönste. Wenn ich einen ganzen Tag hätte, würde ich einfach weiter fahren, mich dann irgendwo hinsetzen, einen Kaffee trinken, Leute vorbeiziehen sehen und dann langsam wieder nach Hause fahren. Das wäre mein Ding.

Stell Dir vor, Du wachst morgens auf und alles ist so, wie Du Dir es immer gewünscht hast. Woran merkst Du es?

Ich weiß wirklich nicht woran ich merke, dass alles so ist, wie ich es mir gewünscht habe. Als ich heute Morgen durch die Frische des Morgens fuhr (mit dem Fahrrad), da hab ich mir so gedacht, alles ist wie in der Meditation auf die Gottheit Tschenresi (Verkörperung von liebender Güte und Mitgefühl). Jeder Mensch, der Dir begegnet, ist wie Tschenresi, alles ist so richtig. Du fühlst keine Trennung und es ist so, als wenn alles, was außen ist, auch in Dir ist. Und das gefällt mir. So ist alles passend. Dann ist alles richtig, ganz egal, ob derjenige, der an Dir vorbei fährt Dich grüßt oder nicht. Wenn ich so einen Morgen erlebe, dann könnte ich so viel erzählen, dann habe ich die besten Ideen, da kommt so viel Gutes hoch.

 

Das Interview mit Thomas vom November 2013
könnt ihr jetzt hier nachlesen: INTERVIEW mit Thomas

 

Das Interview mit Mecki vom September 2013
könnt ihr jetzt hier nachlesen: INTERVIEW MIT MECKI